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Die IVCG

 
Ausgabe 04/10 

Die wohl wichtigste Entscheidung

Fallen Ihnen Entscheidungen manchmal schwer? Zweifeln Sie nach einer Entscheidung, ob diese richtig war? Würden Sie oft gerne an einen Punkt zurückgehen und den anderen Weg einschlagen?



Dann sind Sie nicht allein. Wir alle kennen Beispiele von großen Entscheidungen:


• Soll ich mich selbstständig machen oder ist das in der momentanen Wirtschaftslage zu unsicher?


• Sollen wir heiraten oder sind wir doch nicht die füreinander bestimmten Partner?


• Wollen wir dieses Jahr in den Ferien in die Berge fahren oder ans Meer?


Warum fallen solche Entscheidungen schwer? Weil man sich für das Eine und gegen das Andere entscheiden muss. Dieses ‘Loslassen’ einer Option ist nicht leicht. Außerdem lassen sich die Folgen nie mit absoluter Sicherheit abschätzen. Oft zeigt sich erst viel später, ob die bewusste Entscheidung zum erhofften Ergebnis geführt hat oder nicht.

Manager sind im Alltag fortwährend vor Entscheidungen gestellt. Von einem Manager wird erwartet, dass er schnell und nachweislich richtig entscheidet. Gleichzeitig gilt es, firmeninterne Vorgaben zu beachten, die den persönlichen Entscheidungsfreiraum massiv einschränken. Dies kann so weit führen, dass gestandene Manager aus Angst vor Fehlern oder negativen Konsequenzen gar nicht mehr selbst entscheiden wollen. Unangenehme Entscheidungen werden solange vertagt oder ‘ausgesessen’ bis andere Umstände entscheiden.


An einem Scheidepunkt haben wir grundsätzlich vier Entscheidungsmöglichkeiten:


1. Nach rechts gehen
2. Nach links gehen
3. Am Scheidepunkt stehen bleiben (und abwarten)
4. Umdrehen und zurück gehen Grafisch sieht dies so aus:


Während die Möglichkeiten 1 und 2 bewusste Ent-Scheidungen für das Eine (und folglich gegen das Andere) sind, stellt die Variante 3 ein (Noch)- nicht-entscheiden-Können dar und Variante 4 die bewusste Entscheidungsverweigerung. Jede Variante in der Entscheidungssituation hat Folgen. Man kann sich NICHT nicht entscheiden. Auch eine Nicht-Entscheidung ist eine Entscheidung.


Ein Erlebnis ließ mich vor einigen Jahren die Wichtigkeit einer bewussten Entscheidung erkennen: Als junger Soldat befand ich mich im militärischen Wiederholungskurs in Lungern, einem kleinen Kurort in Obwalden am Fuß der Alpen. An jenem Abend hatte die Truppe ‘freien Ausgang’ und die meisten meiner Kameraden beschlossen, ins Restaurant zu gehen und etwas Gutes zu essen. Da die Beziehung zu meiner damaligen Freundin kriselte, entschied ich mich, zurückzubleiben und an der frischen Luft nachzudenken. Ohne genaues Ziel spazierte ich in Richtung einer Kirche, die erhaben und imposant auf einer Anhöhe über dem Dorf prangt. Ich stieg die Stufen empor, in mich gekehrt und wohl immer auf meine Füße starrend. Schritt für Schritt, sinnierend, grübelnd. Auf einer Terrasse stoppte ich meinen Schritt. Denn hier gabelte sich der Weg und ich stand vor der Entscheidung, nach rechts oder links zu gehen, um zur nächsthöheren Terrasse zu gelangen.


Ich schaute auf. Vor mir in der Mitte der Weggabelung stand ein großes Kreuz mit dem gekreuzigten Heiland, der mich von oben anzusehen schien. Sein Ausdruck zeigte das Leid, das er getragen hat. Größeres Leid als meine Beziehungssorgen. Doch die große Last, die Jesus stellvertretend für uns Menschen auf sich genommen hat, war nicht meine Erkenntnis jenes Abends. Diese folgte erst später. Nein, es war vorerst die simple Einsicht, dass ich mich entscheiden musste: Links oder rechts? Ich war verwirrt.


Ich schaute zum Kreuz empor und fragte ihn. Ich sah, dass beide Treppenstücke um das Kreuz herum hinauf zur nächsten Plattform führten, und erkannte: Welchen Weg du auch nimmst, links oder rechts herum, du wirst am Ziel ankommen (in diesem Fall bei der Kirche auf dem Hügel). Die Wege sind jedoch unterschiedlich, ebenso die Erfahrungen, die man darauf macht. Um jedoch – bildlich gesprochen – auf die nächsthöhere Erkenntnisstufe zu gelangen, ist es unabdingbar, kurz innezuhalten, Gott zu fragen und dann einen der beiden Wege zu gehen! Wie es gewesen wäre, wenn man den anderen Weg eingeschlagen hätte, wird man nie wissen. Sich darüber Gedanken zu machen, ist auch nicht wesentlich. Wesentlich ist das Ziel. Wer (zu) lange zögernd und grübelnd stehen bleibt, sich nicht entscheiden kann oder sich wegdreht und zurückgeht, der wird keine neue Erkenntnis erhalten.


Ich erkannte etwas später, dass kein Mensch in seinem Leben um die Frage nach ‘Jesus am Kreuz’ herumkommt. Er sagt von sich: »Ich bin der, an dem sich alles entscheidet. Wenn ihr das nicht glauben wollt, werdet ihr an eurer Schuld zugrunde gehen.«1


Wir alle stehen irgendwann vor der entscheidenden Frage: »Ist Jesus Christus wirklich der von Gott versprochene Retter, der jedem, der an ihn glaubt, seine Schulden vergibt und das ewige Leben schenkt?«2


Auch auf diese geschlossene Frage, die sich nur mit ja oder nein beantworten lässt, gibt es vier Reaktionsmöglichkeiten:


1. Ja sagen
2. Nein sagen
3. ‘hmmm’ sagen (und weiterüberlegen)3
4. gar nichts sagen (kein Kommentar!)

Genau wie in der Grafik 1 dargestellt, ist auch dies eine Entscheidungssituation. Auch hier gilt: Man kann NICHT nicht antworten. Keine Antwort ist auch eine Antwort.


Das Erlebnis bei der Kirche in Lungern war für mich ein entscheidender Mosaikstein auf meinem Weg zu einem Leben mit Jesus. Ich hatte damals viele andere Fragen und nicht auf alle eine Antwort. Bei einem Impuls-Wochenende der IVCG traf ich auf Menschen, die bereits den Weg mit Gott eingeschlagen hatten und auch mir zeigten, wo und wie ich Antworten auf meine Fragen finden konnte. Die letztlich größte Frage war: »Willst du in Zukunft mit mir gehen? Oder willst du weiter alleine deinen eigenen Weg gehen? « Sie ahnen es: Derjenige, der mir diese Fragen stellte, war der Mann am Kreuz, der beim Aufstieg zur Kirche in Lungern auf der zweitobersten Terrasse unvermittelt vor mir stand.


Ich habe mich für einen Weg mit Jesus entschieden. Mit allen Konsequenzen und allen Erleichterungen. Wie gut ist es, auf meinem täglichen Lebensweg jederzeit einen treuen Partner zur Seite zu haben, den ich fragen kann, was er in meiner Situation tun, wie er sich entscheiden würde. Verstehen Sie mich bitte richtig: Die Entscheidung, welchen Weg ich einschlage, bleibt weiterhin bei mir. Nur habe ich den besten Ratgeber und Coach an meiner Seite. Er ist 24 Stunden pro Tag und 365 Tage pro Jahr jederzeit verfügbar.



Die Zwiesprache mit ihm erfolgt im Gebet. Seine Antwort kommt manchmal postwendend, manchmal erst später. Aber sie kommt immer im richtigen Moment. Dann, wenn ich bereit bin für eine neue Erkenntnis.


Ich weiß nicht, wie mein Glaubensweg weiter gegangen wäre, hätte ich mich damals anders entschieden. Aber ich weiß, dass ich nicht zurückgehen will und dass ich mich heute wieder gleich entscheiden würde. Ein Hinausschieben dieser Entscheidung kann zudem viele negative Folgen haben. Die Bibel berichtet zwar davon, wie Jesus noch am Kreuz dem mit ihm gekreuzigten Verbrecher seine Schuld vergibt und ihm ein Leben im Paradies verspricht.4 Doch welcher Mensch weiß, wie viele Tage und Stunden ihm zum Leben und Entscheiden noch bleiben? Ob er den Moment des Sterbens bewusst erleben und sich dann noch für Jesus entscheiden kann?


Ich wünsche Ihnen ein bewusstes und entschiedenes Ja für Jesus. Gott segne Sie.




_______________

1 Johannesevangelium, Kapitel 8, Satz 24
2 Johannesevangelium, Kapitel 3, Satz 16
3 Zur Variante 3 zähle ich auch die Antworten »jein« bzw. »ja und nein«. Auch sie signalisieren letztlich, dass jemand sich nicht konkret entscheiden will.
4 Lukasevangelium, Kapitel 23, Satz 43

Der Autor

Beat Gysin

Beat Gysin, lic. rer. pol. (Wirtschaftswissenschafter)

CH-Steinhausen/Zug

Leiter Qualitäts-, Prozess- und Umweltmanagement in der Elektroindustrie verheiratet mit Natascha Gysin, eine Tochter

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